22. Niedersächsisches Wanderrudertreffen

„Nasses Wetter, gute Laune“ betitelte die Lokalzeitung ihrem Bericht über das 22. Niedersächsische Wanderruderertreffen. Das fand vom 7. bis 9. Oktober in Stolzenau an der Mittelweser statt, war aber längst nicht so verregnet wie diese Überschrift vermuten lässt. Während der Tagesfahrt weserabwärts nach Hoya stipperte es zwar immer wieder, doch im Vergleich zu den Wassermassen, die zur gleichen Zeit über Stolzenau niedergingen, waren die Ruderer gut bedient. „Habt Ihr abgebrochen?“ lautete die besorgte Frage als bei Chef-Organisator Udo Burmester, vom Vorsitzenden des RC Stolzenau, das Handy klingelte. Der RCS feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen und nahm das zum Anlass, die niedersächsische Wanderrudererfamilie einzuladen und im Rahmen des Landes-WRT den Club, das Bootshaus und das Ruderrevier vorzustellen. Von der unerwartet großen Nachfrage waren die Ausrichter selbst überrascht. Vier Tage nach Meldeschluss hätten sie „anmeldetechnisch die Reißleine gezogen“, berichtete Burmester, und weitere Nachmeldungen abgelehnt, „da unsere Kapazität erreicht war“. Mehr als 100 Namen standen da bereits auf der Teilnehmerliste. Für rund drei Dutzend Spätentschlossene war kein Platz mehr. Der RCS zählt nur 42 Mitglieder, 30 davon sind Aktive. Und nicht alle wirkten beim WRT mit. Mit einem so kleinen Team eine solche Veranstaltung so souverän zu stemmen – alle Achtung! 23 Vereine waren in Stolzenau vertreten. Die meisten Mitglieder hatte der Oldenburger Ruderverein mobilisiert, nämlich 20. Auf jeweils neun brachten es der Barßeler RV und der erstmals teilnehmende WSV Altwarmbüchen. Auch aus Hamburg, Köln und Berlin hatten sich Gäste eingefunden. Nur die Delegation aus Deventer, seit einigen Jahren Stammgast beim Niedersächsischen WRT, fehlte diesmal. Die Niederländer hatten wegen Erkrankung eines Ruderers kurzfristig abgesagt. Zur Feier des Geburtstages wurde Freitagabend in dem ans Bootshaus „angedockten“, bis auf den letzten Platz besetzten Zelt erstmal eine „Stubenlage“ Sekt serviert. Zahlreiche Gratulanten aus Politik und Sport hatten sich eingefunden, Stolzenaus Bürgermeister Bernd Müller ebenso wie der Landtagsabgeordnete Karsten Heineking und der LRVN-Vorsitzende Reinhard Krüger nebst Schatzmeisterin Elke Proksch-Boller und Wanderruderwart Kai Basedow. Udo Burmester, Gründungsmitglied und seit 2002 Vorsitzender des RCS, berichtete über Geschichte und Entwicklung des Vereins, von der Idee seines Amtsvorgängers Lutz Hamann, der Gründung einer Schülerruderriege, der Unterstützung durch die Gemeinde, dem „Meilenstein“ in Form der Herrichtung eines ehemaligen Gebäudes des Wasser- und Schifffahrtsamtes zum Bootshaus bis zum aktuellen Problem: der Verschlickung des Hafens. Um die Boote ins Wasser zu bekommen, musste der Steg schon einmal verlängert werden. Als Geburtstagswunsch äußerte Burmester denn auch, dass der Hafen ausgebaggert werden möge. Seitens des Landessportbundes habe man ihm bereits bedeutet, dass der Hafen eine Sportstätte sei „wie jeder Rasenplatz“. Das lässt hoffen. Beim Start zur Tagesfahrt konnten sich die Gäste selbst ein Bild von der Situation machen. 19 Boote gingen aufs Wasser, zu der durch zwei Schleusen aufgelockerten 56- Kilometer-Tour nach Hoya. „In Landesbergen schleusen alle Boote gemeinsam“ lautete die Anweisung, und vor Ort wartete schon der Einweiser: per Megaphon brachte Udo Burmester zunächst einige in der Fahrrinne dümpelnde Boote auf Kurs, denn in der Schleuse lag ein Bergfahrer und von oben näherte sich ein Talfahrer. Es blieben nicht die einzigen an diesem Tag. Wir staunten über den lebhaften Schiffsverkehr. Nach der Schleuse zog sich das Feld der Ruderboote schnell wieder auseinander, vor dem Bootshaus in Nienburg schob es sich wieder zusammen. Alle wollten anlegen, lechzten nach einer Pause. Die RVN-Jugend kam mit Kaffee kochen kaum nach. Bei der Schleusung in Drakenburg machten fast alle Boote wieder gemeinsame Sache. Nur zwei „Schnellboote“ waren bereits enteilt. Ihre Insassen labten sich im Bootshaus des RV Hoya schon an Kuchen und Kaltgetränken als alle anderen noch über den Gegenwind stöhnten. Nachdem dank der virtuosen Handhabung eines Akku-Schraubers in Hoya die Boote in Windeseile abgeriggert und auch schnell verladen worden waren, konnte man schnell zum gemütlichen Teil übergehen. Zwei Busse brachten die Rudererschar zurück nach Stolzenau. Im Bootshaus wurde derweil das üppig bestückte Büffet aufgebaut, an dem sie sich später gütlich tun sollten. Sonntagvormittag nutzen viele die Gelegenheit, auf der Hausstrecke des RC Stolzenau – zwischen den Schleusen Schlüsselburg und Landesbergen – ein paar der Kalorien wieder abzurudern. 2012 findet das Niedersächsische WRT in Hann. Münden statt, und zwar vom 12. bis 14. Oktober 2012. Der Mündener Ruderverein jubiliert ebenfalls: er wird 100 Jahre alt. Anne Schneller

Tags:Stolzenau, Wanderrudern

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