ORVO gibt Erfahrung zum Handicaprudern weiter

Im August bekam der Handicapwart vom Oldenburger Ruderverein, Jens Appelbohm, eine Anfrage vom Ruderverein Amicitia aus Mannheim zum Thema Rudern mit Handicaps. Der Ruderverein versuchte schon seit längerem sich im Handicapsport zu engagieren. Die Schloss-Schule Ilvesheim (Schule und Internat für Sehbehinderte) sprach den Ruderverein an, ob ihre Schüler nicht bei ihnen rudern könnten. Leider fehlten geeignete Konzepte und auch die Trainerkompetenzen, so dass der Start nicht gelang.

Beim Telefonat mit Nicole Tieben vom Ruderverein Amicitia kam die Idee auf, sich die Möglichkeiten und Bedingungen vor Ort in Mannheim anzuschauen. Nach den Ferien fand sich doch recht zügig ein Termin für einen Ruderschnupperkurs mit den Blinden und Sehbehinderten Jugendlichen am Mannheimer Ruderverein. Da die Jugendlichen nicht aus Mannheim kommen und im Internat wohnen, blieb für den Kurs nur der Freitagnachmittag und der Samstag.

 

Im Internat wurde Jens Appelbohm von den Jugendlichen und deren Betreuer Julian und Susanne empfangen, zügig ging es dann weiter zu Nicole, die sie am Ruderverein mit ihrem noch recht kleinem Team erwartete. Nach einer kurzen Einweisung und Besichtigung des Ruderverein und aller anderen Gegebenheiten ging es eigentlich schon los. Schon bei der Begehung konnten einige Hinweise weitergegeben werden, wo Verbesserungen für Blinde und Sehbehinderte möglich wären.

 

DIGITAL CAMERADa die Jugendlichen mit den Gegebenheiten im Ruderverein vertraut, hatten sie schon Bekanntschaft mit dem Ruderergometer und mit dem Ruderbecken gemacht. Jetzt wurde es interessant, welche Vorarbeit geleistet wurde in Hinsicht Rudern und Ergometer(Bewegung) fahren. Die ersten Jugendlichen machten sich mit unserer Hilfe und einem 2er Gig mit Steuermann in Richtung Wasser auf. Der Weg zum Wasser ist leider für Handicaps nicht so einfach. Aber mit etwas Übung und Hilfe lässt sich das auch meistern.

 

Das Boot wird unter Einbeziehung der Jugendlichen ruderfertig gemacht, auf Platz 1 mit Nicole und Jens auf dem Steuerplatz. Damit ist das Boot sicher zu bewegen und gleichzeitig können dem Jugendlichen direkt Anweisungen gegeben werden, auch Zeigen (Anfassen) ist dabei möglich. Durch die gute Vorarbeit der Mannheimer, gelang uns die erste Ruderrunde relativ problemlos. Bis zum Abend konnten alle Jugendlichen einmal in einem Boot sitzen und auch rudern. Der Abend klang beim Grillen aus, Fragen wurden beantwortet und auch Geschichten vom Oldenburger Handicap Rudern erzählt.

 

DIGITAL CAMERAAm Samstag wurden zwei 4er Gig Boote mit Steuermann zu Wasser gebracht. Mit den Helfern auf Platz 1 und jeweils Nicole und Jens auf dem Steuerplatz war jetzt die Herausforderung zu meistern. die drei Jugendlichen, die am Freitag noch jeder einzeln im Boot saßen, dazu zu bringen, gemeinsam zu rudern. Erstaunlicherweise klappte es sofort mehr oder weniger gut, jeder weiß jetzt das Rudern durchaus auch Mannschaftssport ist.

 

In der Zwischenzeit kamen auch einige Eltern und staunten nicht schlecht als sie ihre Kinder auf dem Wasser sahen. Zum Abschluss war noch die Gelegenheit mit drei Jugendlichen aufs Wasser zu gehen. Leider war die Zeit recht kurz für so einen Schnupperkurs. Das Ziel, die Jugendlichen ins Boot zu bekommen, wurde erreicht. Ein weiteres Ziel war es dem Ruderverein bzw. den Betreuern zu zeigen, wie man Kinder und Jugendliche mit Handicap ausbildet und was dabei zu beachten ist. Das gleiche gilt natürlich auch für die Ausbildung für Erwachsene mit Behinderungen.

 

Jens Appelbohm erklärte: „Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Es war auch aus meiner Sicht die richtige Entscheidung, nach Mannheim zu fahren und vor Ort mein Wissen weiter zu geben. Ich bedanke mich bei Nicole, Julian und Susanne für die gute Zusammenarbeit und Organisation vor Ort und wünsche allen weiterhin viel Erfolg beim Rudern mit Handicaps.“

Text: Jens Appelbohm, Fotos Julian Schlegel

Tags:Handicaprudern

Facebook

Get the Facebook Likebox Slider Pro for WordPress