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Coastal Tour vor Bremerhaven

Bremerhaven. Nach dem Coastal-Obleute Lehrgang in Wilhelmshaven war dies die erste praktische Umsetzung der neu gelernten Fähigkeiten in Coastal Tourenplanung und Durchführung. Auf die Ausschreibung hatten sich 14 Ruderinnen und Ruderer aus Braunschweig, Bremervörde, Celle, Hildesheim, Oldenburg, Sehnde/Lehrte und Wolfsburg mit unterschiedlichen Erfahrungen im Rudern im Rauwasser angemeldet.

Leuchtturm Robbenplate

Diese Maßnahmen sind Elemente des LRVN-Projektes „Implementierung der Sportart Coastal Rowing in Niedersachsen“.

Der LRVN möchte Begeisterung für Coastal Rowing wecken, Spaß an dieser Rudervariante vermitteln und dabei Potentiale entdecken und fördern.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Mitgliederschwund in den Vereinen ist dies für den Rudersport in Niedersachsen essenziell wichtig. Das Projekt wird gefördert von der Lotto-Sport-Stiftung.

Mit Respekt vor der Außen-Weser, der Nordsee, der Tide, dem Wind und den Wellen hatte sich Fahrtenleiter Rüdiger Schlünzen heimische Unterstützung durch Iris Gerlach, Franziska Kösling und Klaus Mauer vom Bremerhavener Ruderverein sowie von Holger Hafemann vom Nordenhamer Ruderclub dazu geholt. Ein herzlicher Dank geht auch an dieser Stelle an die kompetente Betreuung während der Touren.

Wenn im Landesinneren gilt, „das Wetter wird am Steg gemacht“, ist es bei diesen Fahrten viel wichtiger, die aktuelle Wettervorhersage zu kennen. Gezeiten, Wind und Gewitter bestimmen die möglichen Fahrtrouten und -ziele. Während am Samstag die Langstrecke der Zweier auf der Coastal Regatta noch wegen des Windes und der Wellen verkürzt werden musste, hatten diese Coastal-Tour von Tag zu Tag abflauenden Wind zu vermelden. Am Ende wurden sogar Extrakreise gerudert, um die Wellen der Seelotsenboote zu kreuzen.

Am Sonntag nach der Bremerhavener Coastal Regatta trafen sich die Coastal-Tourer am Strand des Weserbades. Hier lagen die Coastal-Vierer bereit für die Ausfahrt. Zur Eingewöhnung an das Bootsmaterial und aufgrund des auflaufenden Wassers war die Fahrtrichtung stromauf über Nordenham nach Dedesdorf vorgegeben. Die Länge der Pause am Strand und der Weserperle mit erfrischenden Getränken wurde bestimmt durch den Gezeitenwechsel, schließlich sollte „mit dem Strom“ zurück zum Weser-Strandbad in Bremerhaven gerudert werden. Der Abend klang aus mit einem gemeinsamen Essen in unmittelbarer Nähe des Strandbades. Iris Gerlach und Franziska Kösling konnten in diesem Kreis von reichen Erfahrungen ihrer Coastal-Touren einiges an die Teilnehmer weitergeben.

Weser vor Nordenham
Coastal Tour Außen-Weser
Leuchtturm Robbenplate

Die Windvorhersage für Montag verbesserte sich zu Gunsten der Fahrtenplanung. Der Höhepunkt der Fahrt war möglich geworden: Fahrtziel ist der Leuchtturm Robbenplate! Nach den notwendigen Vorbereitungen, insbesondere des Einsetzens der Boote im zunehmend schlickigen Bereich des Strandbades, legten die drei Vierer um 9 Uhr ab. Im Gegensatz zur ersten Tour mit Kioskbesuch unterwegs wurde genügend Wasser und Proviant an Bord verstaut. Mit ablaufendem Wasser querten die Boote zunächst das Fahrwasser der Weser vor den großen Hafenanlagen: die Ruderer haben das Fahrwasser auf jeden Fall zu meiden. Die Passage der Bremerhavener „Havenwelten“, der Columbus-Kaje (heute ohne Kreuzfahrtschiffe) und den scheinbar unendlich langen Container-Terminals bot ein beeindruckendes Panorama von Bremerhaven. Hinter Tonne „49“ wurde erneut das Fahrwasser gequert, um in die „Alte Weser“ einzufahren. Nach insgesamt 20 km lag der Leuchtturm Robbenplate vor den Booten, die vorsichtig an der Sandbank anlegten. Wenige 100 Meter Fußmarsch über muschelbesetzte Sandbänke später standen die Ruderinnen und Ruderer am Sockel des Leuchtturms. Beeindruckend! Nach Mittagspause und Tidenwechsel ging‘s auf den Rückweg, fast immer -wie schon auf dem Hinweg- begleitet von Seehunden und Robben. Der verbleibende Teil des Nachmittags wurde von der Gruppe genutzt, um auf eigene Faust Bremerhaven zu erkunden. Für das Abendessen mit vielen Fischspezialitäten trafen sich alle in einem Restaurant direkt an der Geeste.

Kein Wind, dafür mehr Sonne und Hitze war für den letzten Tag angekündigt. Nach einer Lagebesprechung am Weser-Strandbad teilte sich die Gruppe: Zwei Vierer starteten mit der fast abgelaufenen Flut zu einer Tide-Tour. Mit der Strömung ging es wieder entlang der Kajen und Terminals bis die Tide kippte. Das auflaufende Wasser und die Muskelkraft brachten die Boote wieder zurück auf die Höhe des Strandbades. „Boote in Sicht“ war dann das Startsignal für die dritte Mannschaft. Sie stieg ins Boot, um gemeinsam mit den anderen Booten die Geeste aufwärts zu rudern. Am Ende der Tour wurden die Boote am Bremerhavener Ruderverein gründlich von Sand und Schlick befreit und für den Transport zurück nach Stralsund vorbereitet.

Containerterminals Bremerhaven

An allen Tagen standen der Gruppe einheimische Experten mit Rat und Tat zur Seite, so dass die Sicherheit auf dem Wasser immer gewährleistet war. Die Touren waren, neben dem Tragen von Rettungswesten, durch die Anmeldung bei der DGzRS abgesichert. Die zurückgelegte Strecke über die drei Coastal-Rudertage betrug 94 km.

Fazit der meisten Teilnehmer: Es ist auf jeden Fall eine Erweiterung des Ruderreviers und eine Wiederholung der Fahrt an anderer Küstenstelle ist nicht ausgeschlossen!

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